Frau sitzt im Yogasitz in einer Yoga Shala in Indien mit den heiligen Kuhställen und den Bergen nördlich von Mumbai im Hintergrund.

Was die Yamas und Niyamas von Patanjali mit unserem Leben und dem Reisen zu tun haben – Teil 2 “Aparigraha”

Aparigraha

Von Karin

Wenn wir über Yoga sprechen, denken die meisten von uns an körperliche Asanas, doch Yoga bietet viel mehr. Patanjalis „Yamas“ und „Niyamas“, die ethischen Richtlinien des Yoga, geben uns wertvolle Lektionen für unser tägliches Leben. Du findest in unseren Stories bereits einen Artikel zum ersten Yama, Ahimsa, lies gerne hier nach. Heute tauchen wir direkt in das fünfte Yama ein: Aparigraha. 

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Während meiner Reisen ist mir oft bewusst geworden, wie wenig wir eigentlich brauchen, um glücklich zu sein.

Aparigraha wird oft als Nicht-Anhaftung oder Nicht-Besitzgier übersetzt

und lehrt uns, nicht an Dingen festzuhalten, die wir nicht wirklich brauchen. Es geht um die Bereitschaft, loszulassen – materiellen Besitz, aber auch emotionale Anhaftungen, Erwartungen und Kontrollzwänge. Diese Praxis öffnet uns dafür, mit Leichtigkeit und Klarheit durchs Leben zu gehen. Es ist eine Erinnerung daran, dass wahre Fülle nicht von äußeren Dingen abhängt, sondern von innerer Freiheit.

Aparigraha und das Reisen: Eine Lektion in Leichtigkeit

Während meiner Reisen ist mir oft bewusst geworden, wie wenig wir eigentlich brauchen, um glücklich zu sein. Als ich durch Mexiko fuhr, hatte ich nur das Nötigste dabei, und doch fühlte ich mich frei und lebendig. Indem wir uns von übermäßigem Gepäck, Erwartungen und Kontrollbedürfnissen lösen, können wir die wahre Essenz des Reisens erfahren: Offenheit, Flexibilität und die Freude am Unbekannten.

 

Auch die Begegnungen mit Einheimischen, z.B. in Indien oder Bali, erinnern mich immer daran, wie erfüllend ein einfaches Leben sein kann. Sie lehren uns, dass das Streben nach mehr – mehr Besitz, mehr Informationen, mehr Sicherheit – oft nicht das bringt, was wir wirklich suchen. Stattdessen können wir die Schönheit des Augenblicks und das Geschenk der Gemeinschaft wertschätzen.

 

Ein besonderes Beispiel für das Prinzip von Aparigraha fand ich bei den Massai, die in einigen Teilen Ostafrikas, auch auf Sansibar, präsent sind, und ursprünglich als Nomaden gelebt haben. Ihre Lebensweise zeigt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und das bewusste Loslassen von Überflüssigem. Sie besitzen oft nur das Nötigste – Kleidung, Werkzeuge, und das Vieh, das ihnen heilig ist. Es ist beeindruckend, wie die Massai ein Leben führen, das von minimalem Besitz geprägt ist und dennoch von einer immensen inneren Fülle zeugt. Sie zeigen uns, dass nicht das, was wir haben, unser Glück bestimmt, sondern wie wir leben und was wir im Herzen tragen.

Aparigraha im Alltag: Loslassen und Freiheit

Aparigraha lädt uns ein, weniger zu besitzen und nicht ständig nach mehr zu streben. Das heißt nicht, dass wir keinen materiellen Komfort genießen dürfen, aber es geht darum, achtsam zu bleiben und uns zu fragen: „Brauche ich das wirklich? Macht mich das wirklich glücklich?“ Das gilt nicht nur für physische Dinge, sondern auch für Gedanken und Sorgen, an denen wir oft festhalten. Oder auch für Erwartungen oder Vorstellungen davon, wie unser Leben verlaufen sollte. Aparigraha erinnert uns daran, all diese einengenden Ideen loszulassen und stattdessen im Moment zu leben. Auch in unserer Yoga-Praxis lehrt uns Aparigraha, nicht an Ergebnissen oder Perfektion festzuhalten.

Ein Leben im Fluss

Wenn wir Aparigraha in unser Leben integrieren, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Wir sind weniger belastet, offener für Neues und bereit, das Leben so anzunehmen, wie es kommt. Es geht darum, die Kontrolle aufzugeben, sich dem Fluss des Lebens hinzugeben und offen für das zu sein, was sich entfaltet. Loslassen ist eine bewusste Entscheidung, die uns Freiheit schenkt.

 

Alles Liebe

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